13. Oktober 2019

Cinder & Ella, Happy End - und dann? | Kelly Oram


Preis: 12,99€ | Paperback
Seitenanzahl: 528
Erscheinungsdatum: 30. September 2019
Verlag: ONE-Verlag
Originaltitel: Cinder & Ella. Happily Ever After.

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Endlich haben Cinder alias Brian und Ella sich gefunden! Die beiden schweben auf Wolke sieben und sind verliebter denn je. Aber schneller als ihnen lieb ist, holt sie die Realität wieder ein. Zwischen Alltagsstress und Familienproblemen ist Brian schließlich immer noch der angesagteste Schauspieler Hollywoods - und das merkt auch Ella, die plötzlich mehr denn je im Rampenlicht steht. Doch ist ihre Liebe wirklich stark genug, dem Druck des Showbusiness standzuhalten? 

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Nachdem mir Teil 1 als eine Art „modernes Märchen“ sehr gut gefallen hat, musste ich mir unbedingt auch Teil 2 zulegen.

Alles in allem habe ich beim Lesen dieses Buchs sehr viel Freude verspürt. Ein riesiger Punkt, warum ich die Buchreihe so weiterempfehlen kann, sind die starken Hauptcharaktere. Da wäre einmal Ella, welche in diesem Teil einmal mehr zeigt, wie schön und besonders ein Mensch trotz seiner (körperlichen) Makel sein kann. Aus der Ich-Perspektive berichtet kann der Leser an ihrem Leben, vor allem aber an ihren Gedanken und Gefühlen teilnehmen. Ebenfalls toll ist weiterhin, dass Ella nicht nur perfekte Momente hat, sondern auch sehr viele Schwächen zeigt und dadurch außerordentlich realistisch wirkt.
Brian oder auch Cinder kommt in Teil 2 endlich auch mal mehr zu Wort und man versteht besser als vorher, wie ernst er es mit Ella meint.

Wer auf eine dramatische Liebesgeschichte mit viel Hin und Her und unglaublich charakterstarken und liebenswürdigen Hauptpersonen hofft, ist hier richtig!

Bezüglich der Handlung finde ich, dass die Autorin diesmal mit Dramatik nicht gespart hat, meiner Meinung nach sogar ein bisschen viel verwendet hat. Die Probleme, die sich Cinder und Ella in den Weg stellen werden so sehr aufgebauscht, dass in der Geschichte nie Ruhe eintritt. Einerseits fühlt man als Leser natürlich extrem mit, möchte nach dem Ende eines Kapitels immer sofort weiterlesen. Andererseits habe ich festgestellt, dass ich die Gefühlsachterbahn in diesem Buch schon ein bisschen unecht finde. Zum Beispiel kommt es vor, dass die Protagonisten innerhalb von wenigen Sätzen ihre Laune mehrmals schlagartig von total verliebt zu panisch zu wütend und wieder zurück wechseln, dass man selbst gar nicht mehr mitkommt.
Der zweite Kritikpunkt auf meiner Liste ist, dass mir nicht gefällt, wie die Autorin hier eine junge Beziehung beschreibt, bei der beide sich schon in einer kompletten Abhängigkeit zueinander befinden. Die Intensität ihrer Gefühle, die man durch den jugendlichen Schreibstil und die Ich-Perspektive hautnah nachvollziehen kann, kann ich ja noch verstehen - auch wenn Cinder und Ella sich gerade erst seit einer Woche offiziell daten. Allerdings ist es aus meiner Sicht kein vorbildliches Bild, welches Kelly Oram damit kreiert, dass Ella teilweise nur dann gut gelaunt und glücklich ist, wenn Brian bei ihr ist und ihr zuspricht. Eine Partnerschaft sollte toll sein und das eigene Leben bereichern, aber nicht nötig sein, damit du mit dir zufrieden bist. Leider wird mir mit den Geschehnissen in Teil 2 an mancher Stelle anderes vermittelt.
Bezüglich des Erzählstils muss ich sagen, dass ich die Chatverläufe sehr vermisst habe, welche im ersten Teil die Geschichte wunderbar aufgelockert haben. 
Schlussendlich möchte ich noch einmal die Themensetzung von dieser Geschichte loben: Es kommt selten vor, dass in märchenhaften romantischen Büchern auch ernste Themen wie Selbstzweifel, Akzeptanz oder die Schwierigkeit des Erwachsenwerdens so gut angesprochen werden - alles Dinge, die zweifellos jeden Jugendlichen beschäftigen sollten.
Alles in allem kann ich jedem die Bücher rund um Cinder & Ella auf jeden Fall weiterempfehlen, auch wenn ich vom ersten Teil noch überzeugter war. 

1. Juni 2019

Das erste Jahr Medizinstudium

„Herzlich Willkommen im besten Studium der Welt“, hieß es letzten Oktober am ersten Tag der Einführungswochen. Die Worte kamen aus dem Mund des Anatomieprofs, genauso wie von den älteren Studenten. „Sie können sich wirklich glücklich schätzen!“

Seitdem ist viel Zeit vergangen. Ich schätze mich immer noch glücklich, habe aber auch herausgefunden, dass mir trotz meiner Medizinbegeisterung nicht alle Themenbereiche gefallen müssen und mein Leben auch nicht ausschließlich aus Studieren bestehen sollte. Das ist auch okay und gut so.
Auch meine Lesevorlieben haben sich ein bisschen angepasst.


Die ersten Vorlesungen, noch auf Papier mitgeschrieben (inzwischen längst digital). Direkt gemerkt, dass manche Leute so viel mehr Wissen mitbringen als man selbst. Gemerkt, dass das Lerntempo in der Oberstufe hierzu quasi Schneckentempo war. Am ersten Tag in die Bib gerannt und sich verzweifelt mehrere Bücher ausgeliehen, wovon am Ende doch nur der Prometheus genutzt wurde. Herausgefunden, dass es im vierten Stock der Bib den schönsten Sonnenuntergang zu sehen gibt. Eine Führung über den Campus bekommen, gestaunt und in den folgenden Wochen manchmal die Orientierung verloren. Mehrere Verzweiflungskrisen und immer der Kommentar von älteren Semestern, dass die ersten Prüfungen halb so schlimm sind wie man sie sich vorstellt (das stimmt!). Glauben konnte ich in der ersten Woche bei einer simulierten Prüfung nicht, dass ich in bereits sechs Wochen die Geprüfte sein sollte. War ich aber.

Im Laufe der Zeit dann nicht mehr nur Anatomie, wobei der Präpkurs immer ein echtes Highlight für mich war und ist, sondern auch Physio, lauter Biochemiepraktika mit Eingangstestaten und schnell noch hingekritzelten Arbeitsprotokollen und langsam auch die ersten Klinikbegriffe und leider auch Histologie, meine persönliche Herausforderung. Viel Überforderung, viel Begeisterung. Neue Lerninhalte, neue Freunde. Alte Lernstrategien verworfen, neue herausgefunden. Neue Lebensretter wie Kaffee und Onlineportale wie Via Medici und Amboss. Neue Erfahrungen (ich bin im Dezember von Zuhause ausgezogen), gleichzeitig irgendwann das Gefühl, dass man jetzt gar nicht draußen sein dürfte, da man ja für die baldigen Prüfungen lernen müsste.
Biochemie-Praktika ;)

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Das klingt jetzt alles sehr anstrengend. War es auch. Gleichzeitig aber auch so viel toller als Schule! Das letzte Jahr war das lernintensivste, aber beste meines Lebens! Es ist ein Privileg, dies alles lernen zu dürfen. Letzten Endes alles immer schaffbar, auch wenn es nicht so wirkt, als sei es so. Medizinstudenten sind Menschen, die alles über Menschen lernen und sie steigen nach dem Studium auch nicht zu Halbgöttern in weiß auf. Und wir haben auch Spaß (ich sag nur Medimeisterschaften) und sind nicht nur am Lernen, auch wenn ich mir dies immer noch beibringen muss, denn es ist so leicht, sich durch hysterische Gespräche mit Kommilitonen gegenseitig auf der Panikskala nach oben zu pushen.

Ich habe viel gelernt, auch über mich. Ich mache mir immer viel zu viel Stress und man wächst an seinen Aufgaben. Wenn ich lerne, wie viele Krankheiten durch einen schlechten Lebensstil ausgelöst werden - wenig Sport, ungesundes Essen etc. - dann löst das inzwischen das Verlangen in mir aus, meine Work-Life-Balance (noch ein Wort, das man gleich in der Einführungswoche beigebracht bekommt, zeigt ja die Wichtigkeit) zu optimieren. Man kann anderen Leuten helfen, darf dabei aber seine eigene Gesundheit nicht vergessen. Liebe neue Erstis, denkt daran, ich arbeite auch noch daran. Genießt die Zeit!

Wenn man mich heute fragen würde, ob mein Studium das beste der Welt ist, würde ich ja sagen. Ich habe die besten neuen Freunde gefunden, die mich verstehen und mögen, ich lerne tagtäglich etwas unglaublich Spannendes und bin (fast) immer dankbar dafür. Und dann gibt es noch die im Hamburger Modellstudiengang dank der früh eingebauten Klinik schnell auftretenden Glücksgefühle, wenn man allmählich merkt, dass das Lernen einen Sinn hat: das erste Mal selbst Blut abnehmen, in der Rechtsmedizin die Todesursachen der Menschen allein anhand ihres Körpers herausfinden, auf Röntgenbildern endlich mal nicht nur schwarz/weiß erkennen (genauso wie bei den roten Histobildern). Dieses Hochgefühl, das die Medizin vermitteln kann, ist unvergleichlich, genauso wie der Gedanke, dass ich später wirklich Menschen helfen kann mit dem, was ich tue.
Also - zukünftige Ersties - ich finde auch, dass es der beste Studiengang der Welt ist. Freut euch auf diese vor euch liegenden aufgeregenden Semester, die eventuell neue Stadt, die neuen Leute, die neue Unabhängigkeit, ... GENIEßT ES!

20. April 2019

Um Leben und Tod - Ein Hirnchirurg erzählt vom Heilen, Hoffen und Scheitern | Henry Marsh

Schöne Ostertage! 🌞
WERBUNG | ANZEIGE (REZENSIONSEXEMPLAR) 
Preis: 10,00€ |Taschenbuch
Seitenanzahl: 368
Erscheinungsdatum: 13.03.2017
Verlag: Spiegel Buchverlag

Beschreibung:


Wie arbeitet ein Hirnchirurg? Wie fühlt es sich an, in das Organ zu schneiden, mit dem Menschen denken und träumen? Und wie geht man damit um, wenn das Leben eines Patienten von der eigenen Heilkunst abhängt? Operationen am Innersten des Menschen sind immer mit unkalkulierbaren Risiken verbunden. Henry Marsh, einer der besten Neurochirurgen Großbritanniens, erzählt beeindruckend offen, selbstkritisch und humorvoll von den Ausnahmesituationen, die seinen Arbeitsalltag ausmachen. Seine Geschichten handeln vom Heilen und Helfen, vom Hoffen und Scheitern, von fatalen Fehlern und von der Schwierigkeit, die richtige Entscheidung zu treffen.

Meine Meinung:


Als ich „Um Leben und Tod“ das erste Mal bei studylikegranger auf ihrem Instagramprofil gesehen habe, wusste ich sofort: Das muss ich lesen! Und ich wurde nicht enttäuscht.
Der Untertitel „Ein Hirnchirurg erzählt vom Heilen, Hoffen und Scheitern“ fasst die Thematik des Buchs besser zusammen, als ich es je könnte. Jedes der 25 Kapitel startet mit einer Krankheit (vor allem Gehirntumore) oder einem Symptom in der Überschrift: Oligodendrogliom, Tic douloureux oder dergleichen. Und passend dazu wird dies in dem Kapitel durch einen bestimmten Patient, eine bestimmte Operation oder „Schlüsselereignisse“ in Henrys Arztleben verdeutlicht. Allein diese Gliederung hat mir persönlich unheimlich gut gefallen, da man Neues, Faszinierendes über das menschliche Gehirn lernt und gleichzeitig in jedem Kapitel miträtseln konnte, bei wem denn nun das Oligodendrogliom auftritt und wie das Ganze endet.

Aber ist das Buch denn nur etwas für Medizinstudenten, Ärzte oder diejenigen, die es mal werden wollen? Im Gegenteil. Durch viele Erklärungen zwischendurch, die aber keineswegs ausarten, ist „Um Leben und Tod“ sehr verständlich geschrieben und gerade wegen der Thematik würde ich sagen, dass das Buch gerade Nicht-Mediziner anspricht. Die zusammengefasste Botschaft ist nämlich: Ärzte sind keine Götter in Weiß – sie irren, sind menschlich, machen fatale Fehler, treffen richtige und falsche Entscheidungen und sie haben auch keine Kontrolle über Zufälle, Schicksal (?).

So erfährt man in diesem Buch erstaunlich gut, wie es ist, ein Neurochirurg zu sein. Plötzlich versucht man als Leser selbst, die schwerwiegenden Entscheidungen zu treffen, rechtfertigt sich zusammen mit dem Arzt, warum der Patient nicht gerettet werden konnte, … Gerade manche Kapitel, manche Patientengeschichten, sind mir dabei emotional sogar sehr nahe gegangen.
Alles in allem habe ich mit „Um Leben und Tod“ (das Motto der Hirnchirurgen: ein Leben durch eine OP zerstören oder vielleicht doch noch ein paar Jahre herausholen?) wichtige Lektionen für mich und meine Zukunft als Studentin gelernt. Gerade dadurch, dass Henry Marsh so schonungslos über seine eigene Person und seine begangenen Fehler schreibt, konnte ich sehr viel aus dem Buch mitnehmen, wie ich später mal mit der ganzen Thematik umgehen möchte.

Abgesehen von „Heilen, Hoffen und Scheitern“ führt einen dieses Buch natürlich ein in die faszinierende, ein klein wenig unheimliche, aber vor allem unglaubliche Welt des wichtigsten Organgs: das Gehirn. Hierbei wird der Leser auch selbst zum Nachdenken angeregt. Ist unsere Seele, unser Bewusstsein etwa nur ein Zusammenspiel aus etlichen Nervenzellen und elektrischen Signalen? Es scheint immer wieder unbegreiflich zu sein, dass all diese Gedanken, die ich in gerade diesem Moment formuliere, lediglich von dieser grauen, wackelpuddingartigen Masse stammen sollen.

Zusammengefasst möchte ich nur sagen: Lest dieses Buch, mein neuestes Jahreshighlight! Man fängt an, sich mit Dingen zu beschäftigen, die im normalen Alltag total untergehen. Der Arzt wird für den Leser plötzlich zu einem normalen Menschen; eine Lektion, die auch ich immer wieder verinnerlichen muss, und vieles mehr. „Um Leben und Tod“ wird für jedermann eine großartige Lektüre sein.

5 von 5 Sternen

★★★★

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Vielen Dank an den Spiegel-Buchverlag und die Betreiber des Bloggerportals für dieses tolle Rezensionsexemplar! ♥
Somit zählt diese Buchbesprechung offiziell als Werbung. Ich betone aber, dass
niemand meine Meinung erkauft.